Wenn Ihr Team alle SKUs gleich behandelt, wirkt Bestandskontrolle schnell unmöglich. Hochwertige, schnell drehende Artikel verstecken sich in derselben Aufgabenliste wie Teile mit geringer Wirkung, die sich kaum bewegen. Die ABC-Inventuranalyse löst das, indem sie zeigt, wo Ihre Aufmerksamkeit den größten Nutzen bringt.
Die Grundidee ist einfach: Ein kleiner Anteil der SKUs erzeugt meist den größten Teil des Verbrauchswerts. Dieses Muster folgt dem Pareto-Prinzip, das in Operations und Qualitätsmanagement weit verbreitet ist. Wenn A-, B- und C-Klassen klar sichtbar sind, werden Zykluszählung, Wiederbeschaffung und Einkaufsentscheidungen schneller und konsistenter.
Bei der ABC-Analyse geht es nicht darum, C-Artikel zu ignorieren. Es geht darum, den Steuerungsaufwand an das Geschäftsrisiko anzupassen.
Was die ABC-Inventuranalyse tatsächlich bedeutet
Die ABC-Analyse ordnet SKUs nach jährlichem Verbrauchswert, meist berechnet als Jahresbedarf x Stückkosten. Danach werden Artikel in drei Klassen gruppiert, damit Sie Zähl- und Planungsaufwand proportional verteilen können.
Häufig etwa 10-20 Prozent der SKUs, die rund 70-80 Prozent des Jahreswerts ausmachen. Bestandsfehler wirken sich hier schnell auf Umsatz, Servicegrad und Cashflow aus.
Meist etwa 20-30 Prozent der SKUs und rund 15-25 Prozent des Jahreswerts. Sie brauchen strukturierte Kontrolle, aber keine tägliche Aufmerksamkeit.
Typischerweise 50-70 Prozent der SKUs bei nur 5-10 Prozent des Jahreswerts. Sie brauchen ebenfalls Standards, jedoch mit geringerer Zählfrequenz und einfacherer Prüfung.

Behandeln Sie diese Prozentsätze nicht als starre Regeln. Sie sind Startbereiche. Katalogstruktur, Saisonalität und Margenprofil können die Aufteilung verschieben.
Warum ABC in der Praxis funktioniert
- Es schützt knappe Zeit: Teams investieren mehr Zähl- und Prüfaufwand in SKUs mit dem höchsten finanziellen Risiko.
- Es verbessert die Zählstrategie: A-Artikel können wöchentlich gezählt werden, C-Artikel je nach Volatilität monatlich oder quartalsweise.
- Es schärft die Wiederbeschaffung: Planer setzen engere Nachbestellregeln für A-Artikel und leichtere Kontrollen für C-Artikel.
- Es stärkt den Lieferantenfokus: Einkauf kann zuerst die Lieferzeitstabilität bei A-Lieferanten priorisieren.
- Es reduziert Meeting-Rauschen: Statt 2,000 SKUs gleich zu diskutieren, betrachten Teams zuerst die wenigen kritischen Artikel.
APICS-Leitlinien und gängige Lagerpraxis betonen selektive statt gleichmäßige Steuerung. Kurz gesagt: Wo die Wertkonzentration hoch ist, sollte auch die Managementintensität hoch sein.
Schritt-für-Schritt-Berechnung mit kleinem Beispiel
Nutzen Sie eine Tabelle und folgen Sie diesem Ablauf. Für den Start brauchen Sie nur SKU, Jahresbedarf und Stückkosten.
- Exportieren Sie Ihre SKU-Liste mit Jahresbedarf und durchschnittlichen Stückkosten.
- Berechnen Sie den jährlichen Verbrauchswert je SKU: Bedarf x Stückkosten.
- Sortieren Sie SKUs nach Verbrauchswert von hoch nach niedrig.
- Berechnen Sie den kumulierten Wertanteil entlang der sortierten Liste.
- Ordnen Sie A/B/C anhand definierter Schwellen zu (zum Beispiel 80 Prozent und 95 Prozent kumulierter Wert).
- Prüfen Sie Ausreißer mit operativem Kontext, bevor Sie Klassen final festlegen.

Mini-Beispiel
Stellen Sie sich 10 SKUs mit einem gesamten jährlichen Verbrauchswert von 500,000 $ vor. Nach der Sortierung tragen die Top-2-SKUs 390,000 $ (78 Prozent) bei, die nächsten 3 weitere 85,000 $ (17 Prozent), und die letzten 5 weitere 25,000 $ (5 Prozent). In diesem Fall sind die ersten 2 SKUs A, die nächsten 3 B und die restlichen 5 C.
Das Ziel der Klassifizierung ist Fokus. Sie erstellen eine Steuerungskarte, kein perfektes mathematisches Modell.
Best Practice in der operativen Planung
Wie Sie ABC-Klassen nach der Berechnung nutzen

Starten Sie mit A wöchentlich, B monatlich, C quartalsweise. Passen Sie dann anhand beobachteter Abweichungsraten an. Für ein vollständiges Taktmodell nutzen Sie unseren Leitfaden zur Zykluszählplanung.
Setzen Sie engere Nachbestellpunkte und kürzere Prüfintervalle für A-Artikel. Nutzen Sie einfachere Min-Max-Regeln für C-Artikel, bei denen das Servicerisiko geringer ist.
Platzieren Sie A-Artikel an schnellen, leicht zählbaren Orten, um Wege und Pickfehler zu reduzieren. Verschieben Sie C-Artikel in sekundäre Bereiche, wenn Platz knapp ist.
Wenn Fehlmengen auftreten, prüfen Sie zuerst, ob sie sich auf A-Artikel konzentrieren. So werden Planungs- oder Wareneingangsschwächen mit größter Wirkung schnell sichtbar.
Wo ABC allein an Grenzen stößt
ABC ist stark, aber eine Dimension reicht nie für jeden Katalog. Manche Artikel mit geringem Wert sind operativ kritisch, und manche hochpreisigen Artikel bewegen sich langsam.
- Problem kritischer Ersatzteile: Eine günstige Dichtung kann die Produktion stoppen. Ergänzen Sie ein Kritikalitätsmerkmal, damit sie nicht untersteuert wird.
- Margen-Blindspot: Umsatzwert kann margenschwache Produkte verdecken. Berücksichtigen Sie wenn möglich den Deckungsbeitrag.
- Saisondrift: Eine SKU kann in der Hochsaison von C zu A wechseln. Klassifizieren Sie quartalsweise neu, in volatilen Kategorien monatlich.
- Datenqualitätsrisiko: Falsche Stückkosten oder veraltete Bedarfsdaten klassifizieren SKUs falsch. Prüfen Sie Quelldaten, bevor Sie dem Ergebnis vertrauen.
- Überengineering: Teams bauen manchmal komplexe Modelle, bevor sie grundlegende Disziplin bei Wareneingang und Zählung stabilisieren. Halten Sie es zuerst einfach.
Wenn Abweichungen trotz ABC-Einführung hoch bleiben, untersuchen Sie Prozessbrüche in Wareneingang, Einlagerung und Picking. Unser Leitfaden zu Bestandsabweichungen hilft, Ursachen schnell zu isolieren.
Ein praxisnaher Rollout-Plan für Montagmorgen
ABC-Analyse in einer Woche starten
- Tag 1 - Datenzug:Exportieren Sie 12 Monate Bedarf und durchschnittliche Stückkosten pro SKU.
- Tag 2 - Erste Klassifizierung:Jahreswert berechnen, sortieren und vorläufige A/B/C-Klassen zuweisen.
- Tag 3 - Bereichsübergreifende Prüfung:Ausreißer mit Lager, Einkauf und Finance validieren.
- Tag 4 - Richtlinien-Mapping:Zählfrequenz und Wiederbeschaffungsregeln je Klasse zuordnen.
- Tag 5 - Team-Briefing:Zähler und Planer auf die Änderungen der nächsten Woche vorbereiten.
- Tag 6 - Pilotstart in einer Zone:Modell zuerst auf eine Zone oder Kategorie anwenden.
- Tag 7 - Basis messen:IRA, Anpassungsrate und Fehlmengen nach Klasse verfolgen.
Fazit
Die ABC-Inventuranalyse funktioniert, weil sie Ihrem Team erlaubt zu priorisieren. Nicht jede SKU braucht die gleiche Kontrolle, und so zu tun als ob kostet Zeit. Starten Sie mit einer einfachen wertbasierten Aufteilung, ergänzen Sie klare Betriebsregeln und überprüfen Sie die Klassen in festem Rhythmus. Innerhalb eines Monats sollte sich der Zählaufwand leichter anfühlen und Entscheidungen sollten klarer werden.